Touren-Wegweiser für Radfahren und Wandern

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Norwegen, Radweg 4, Rallarvegen


Abschnitt:

Übersicht zur Radtour

Bild: Karte zur Radtour von Geilo nach Flåm über den Rallarvegen

Einführung in die Radtour

Der Rallarvegen ist mit Sicherheit einer der spektakulärsten und schönsten Radwege Norwegens.

Abseits jeglicher Straßen führt er in der Hauptsache durch hochalpines Gelände zwischen 800 und 1300 Metern Höhe. Er stellt eine einzigartige Möglichkeit dar, auf dem Fahrrad unmittelbar durch die wilde Bergwelt der nördlichen Hardangervidda zu fahren. Dabei ist der Weg auch für "normale" Radwanderer und auch für größere Kinder gut zu fahren, zumal bei plötzlichen Wetterstürzen unterwegs notfalls in die Bahn umgestiegen werden kann. Allerdings sollte man für diese Radtour ein Trekkingrad oder Mountain-Bike mit kräftigen Reifen und einem Durchmesser von 26 Zoll dabei haben.

Der ungeteerte Weg läßt den Tourenfahrer die Natur viel intensiver erleben als dies von der Straße aus möglich ist. Dem entsprechend ist der Radweg auch bei den Norwegern sehr beliebt. Insbesondere an den Wochenenden muss mit einigem Betrieb gerechnet werden. Der Weg beginnt in Haugastøl, der Ort besteht aus nicht viel mehr als einem Bahnhof der Bergenbahn, einem Hotel und einem Fahrradverleih. In Haugastøl verlässt der Weg die Fernstraße Nr. 7 und folgt nun der Eisenbahnstrecke, die Oslo mit der Stadt Bergen an der Westküste Norwegens verbindet.

Wegen der Bergenbahn wurde vor über hundert Jahren der Rallarvegen geschaffen. Er war früher der Versorgungsweg für die "Rallar", die Arbeiter, die die Bahnstrecke gebaut und gewartet haben. Im Jahr 1974 wurde der Rallarvegen zum Radweg ausgebaut. Selten führt der Rallarvegen unmittelbar neben der Bahntrasse. Oftmals ist der Schienenweg etwas abseits verlegt, um starke Steigungen zu vermeiden. Aus diesem Grunde gibt es für die Bahn viele Tunnel und wegen der Gefahr von Lawinen und Schneeverwehungen wurden Überbauungen aus Holz errichtet, die den Schienenstrang schützen sollen.

Die Hardangervidda besitzt ein sehr rauhes Klima. Der Winter kommt früh und bringt reichlich Schnee, der erst spät im Sommer schmilzt. An schattigen Hängen taut er teilweise erst garnicht weg, so dass auch auf dem Rallarvegen noch das eine oder andere Schneefeld liegenbleibt. Auch im Hochsommer muss mit plötzlichen Kälteeinbrüchen, Eisregen und Schnee gerechnet werden.

Landschaftlich bietet der Rallarvegen vom lieblichen Einstieg bei Haugastöl über die baumlose Weite im Hochgebirge mit grandiosen Ausblicken auf Gletscher und Seen bis hin zur steilen Abfahrt nach Flåm an den Auerlandfjord eine große Vielfalt. Jeder Abschnitt ist für sich herausragend.

Zeichnung Rallarveg
Bild: Liebevolle Zeichnung aus einem Faltblatt der Touristeninformation von Geilo

Streckenverlauf

Der Rallarvegen beginnt in Haugastøl an der Straße 7 und führt im Großen und Ganzen parallel zur Bahnlinie nach Flåm. Die Bergenbahn biegt in Myrdal nach Osten ab und geht über den Ort Voss nach Bergen. In Myrdal können die Zugfahrer in die Flåm-Bahn umsteigen. Wir beschreiben hier die Strecke nach Flåm und nicht den Weg nach Voss. Wer mit dem Rad nach Voss fahren möchte, muss in Myrdal für eine Station in den Zug umsteigen, da die Bahn durch einen Tunnel fährt, der mit dem Rad nicht umgangen werden kann.

Wir starten mit der Routenbeschreibung bereits im Wintersportort Geilo und beschreiben somit auch die Anfahrt über die Straße 7 nach Haugastöl. Die Strecke von Geilo nach Flåm ist 107 Kilometer lang, während es von Haugastöl bis Flåm 86 Kilometer sind.

Der Rallarvegen ist Teil des norwegischen Radfernweges 4. Er führt von Oslo über Hønefoss, Gol, Geilo nach Voss und Bergen.

Rallarvegen
Bild: Kopie aus einem Informationsblatt der Touristeninformation von Geilo.

Anfahrt

Nach Geilo gelangt man bequem mit dem Zug von Oslo oder von Bergen aus. Man kann natürlich auch bis Haugastöl mit dem Zug fahren und direkt am Beginn des Rallarvegens die Tour beginnen. Als sehr interessante Alternative zur Zugfahrt nach Geilo kann die Radtour in Larvik am Meer begonnen werden; man kurbelt über den Radweg 5 durch das idyllische und beschauliche Numedal nach Geilo. Die Anfahrt durch Numedal bietet einen schönen Kontrast zur baumlosen Weite der Hardangervidda und ist auch eine gute Möglichkeit, um Kondition zu gewinnen..

Da der Rallarvegen parallel zur Bahnstrecke verläuft, gibt es bis zum Ziel Flåm immer wieder die Möglichkeit, in die Bahn umzusteigen. In Flåm kann man dann wieder mit dem Zug zurückfahren oder die Radtour fortsetzen. Da Flåm von hohen, steilen Bergen eingerahmt ist, fährt man dafür am besten mit einer der Fähren über den Auerland- und Sognefjord zu fahren. Dies wird auf der Seite zu Flåm ausführlich beschrieben.

Übernachten

Es ist ohne weiteres möglich, die Tour von Geilo nach Flåm in zwei Tagen bequem zu fahren. In diesem Fall bietet sich die Bahnstation Finse als Übernachtungsmöglichkeit an, falls man nicht im Zelt schlafen möchte. Das Zelt ermöglicht natürlich eine viel größere Flexibilität und den intensiven Kontakt mit der Natur. Details zu den Übernachtungsmöglichkeiten sind auf den einzelnen Seiten dargestellt.

Reisezeit

Vor Anfang Juli kann der Rallarvegen normalerweise nicht befahren werden. Es wird dringend geraten, erst nach der offiziellen Freigabe die Radtour zu starten. Dies ist in der Regel um den 10. Juli der Fall. Vorher gibt es in dem Abschnitt westlich von Finse noch zu viele Schneefelder, die den Weg unpassierbar machen. Mit Gepäck ist es kaum möglich, über ein ungespurtes Schneefeld zu schieben. Einige Schneefelder fallen auch recht steil den Hang ab, dadurch kann ihre Passage schnell gefährlich werden. Ab 10.07. sind die Schneefelder überwiegend verschwunden oder durch die Radler so gut gespurt, dass sie ganz gut gequert werden können.

Karte

Für die Radtour über den Rallarvegen empfehlen wir die Cappelen Kart Nummer 2, Mittel-Norwegen vom Verlag Kümmerly+Frey.

Höhenprofil der Radtour von Geilo nach Leikanger

Geilo liegt auf einer Höhe von 800 Metern (siehe Höhenprofil unten). Die Bahnstation Finse liegt auf 1222 Metern Höhe und wenig später werden am höchsten Punkt der Tour über 1300 Meter erreicht. Anschließend geht es nach etwas mehr als 50 Kilometern überwiegend bergab. Da sich der Anstieg auf über 60 Kilometer zieht, ist er nicht so dramatisch. Es gibt nur einige wenige sehr steile Steigungen mit etwa 18%. Diese kurzen Abschnitte auf rauher Schotterpiste kann man auch schieben.

Die Abfahrt beinhaltet einige extrem steile Abschnitte, die teilweise auch recht lang und in schlechtem Zustand sind. Herausragend ist die 18 bis 20 %ige Abfahrt auf z.T. sehr schlechter Schotterstrecke und mit zahlreichen Spitzkehren ins Flåmdalen. Sie lässt sich im Notfall aber auch schieben. Absolut abzuraten ist davon, die Radtour in umgekehrter Richtung zu fahren. Der Aufstieg vom Flåmdalen ist auf Grund der starken langen Steigung für "normale" Radler nicht fahrbar und mit Gepäck nur unter größten Anstrengungen zu schieben. Auch in der Folge gibt es bis Vatnahalsen weitere Steigungen, die mit Gepäck ohne langes Schieben nicht zu schaffen sind.

Hinweis: Die Entfernungen im Höhenprofil sind mit dem GPS-Navigationsgerät gemessen. Auf Grund von Messungenauigkeiten durch die eingeschränkte Zahl von Messpunkten ist die tatsächliche Entfernung etwas größer.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Rallarvegen gibt es auf einer Seite des "Haugastøl Turistsenter" und einer eher allgemein gehaltenen Seite zum Rallarvegen.

GPS-Navigation

Download GPX-Track (2177 Track-Punkte) von Geilo Geilo nach Flåm für Garmin-Navis (Klick mit rechter Maustaste, dann "Ziel speichern unter ..."). Download des GPX-Tracks mit 498 Track-Punkten. (—»)

Höhenprofil zum Rallarvegen
Bild: Höhenprofil zur Radtour von Geilo nach Flåm über den Rallarvegen