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Georgien

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Pshaveli - Omalo über Abano-Pass

Karte zur Tour von Zigdidi nach Ushguli und weiter nach Zageri
Bild: Karte zur Tour von Sugdidi nach Ushguli und weiter nach Zageri
Karte zum Abano-Pass und Omalo
Bild: Karte zum Abano-Pass und Omalo

Wir stellen auf dieser Seite eine 71 Kilometer lange Strecke von Pshaveli über den Abano-Pass nach Omalo vor. Unsere Beschreibung ist für Radfahrer und Autofahrer geeignet.

Von Pshaveli über den Abano-Pass nach Omalo

Wie die meisten Routen im Großen Kaukasus Georgiens, so stellt auch diese eine Stichstraße dar, die wieder zurück gefahren werden muss.

Eine einspurige, ungeteerte Straße verbindet Pshaveli mit den abgelegenen Orten in der Provinz Tuschetien. Mit knapp 3000 Metern ist der Abano-Pass (auch als Torgva-Pass bezeichnet) der höchste befahrbare Pass im Großen Kaukasus. Von ca. Ende September bis Mitte Juni ist die Straße wegen Schnee gesperrt. Die Siedlungen in Tuschetien sind dann nicht bewohnt und das Vieh wird im Herbst bzw. Frühjahr von berittenen Hirten über den Abano-Pass ins Tal getrieben..

Die Piste über den Abano-Pass wird nicht ganz zu Unrecht als eine der "10 gefährlichsten Straßen der Welt" bezeichnet. Sie führt ohne Absicherung direkt am Abgrund schwindelerregender, fast senkrechter Steilhänge, durch Furten und extrem steile, rutschigen Kehren. Bei Gegenverkehr muss rückwärts in eine Ausweichstelle gesetzt werden - nichts für schwache Nerven oder nicht schwindelfreie Fahrer. Der Pass sollte nur tagsüber und bei guter Witterung befahren werden, doch man muss immer mit plötzlichen Wetterstürzen oder Steinschlag rechnen. Die Strecke ist auch bei den Einheimischen berüchtigt, denn jedes Jahr gibt es tödliche Unfälle. Doch es ist der einzige Weg nach Tuschetien.

Für welche Fahrzeuge ist die Tour geeignet?

Voraussetzung für vierrädige Fahrzeuge ist ein Vierradantrieb und Bodenfreiheit. Auch die Einheimischen fahren durchgängig mit 4WD. Unser VW-Bus hatte die werksmäßige Bodenfreiheit und wir hatten keine wirklichen Probleme, mußten aber bei einigen Passagen sehr vorausschauend und vorsichtig fahren und sind ein paar Mal leicht aufgesessen. Weniger Bodenfreiheit darf es also nicht sein. Die Reifen sollten ordentlichen Grip aufweisen, einfache Sommerreifen sind auch im Sommer bei guter Witterung fehl am Platze. Bei normalem Wetter ohne Nässe oder Schnee stellen die engen Kehren das Problem für die Fahrzeuge dar. Bei Nässe oder Schnee steigen die Anforderungen an Fahrer und Fahrzeug sprunghaft! Es sind einige Furten zu passieren, auch hier reicht bei normalem Wasserstand - nicht direkt nach der Schneeschmelze oder Starkregen- die Bodenfreiheit eines Vans so gerade.

Bei optimalen Bedingungen sollten für die 71 Kilometer lange Strecke von Pshaveli nach Omalo satte 12 Stunden Fahrzeit einkalkuliert werden.

Für Touren-Radfahrer mit Gepäck und ohne Elektromotor sehen wir den Pass auf Grund seiner enormen dauerhaften Steigungen als nicht machbar an. Erschwerend kommt hinzu, dass es auf den letzten 34 Kilometern bis zur Passhöhe nur eine Möglichkeit zum Übernachten, jedoch keine zum Zelten gibt. Übernachten in den Ausweichbuchten der Piste ist extrem gefährlich, da die lebensmüden Georgier auch nachts über den Pass fahren. Nach 29 Kilometern ab Pshaveli gibt es auf einer Höhe von 1783 Metern an einem Haus heiße Quellen. Dort kann eventuell übernachtet werden. Inwieweit eine Befahrung mit E-Bike und Gepäck machbar ist, können wir mangels Erfahrung mit Elektrorädern nicht beantworten. Sehr konditionsstarke Mountainbiker können den Pass ohne Gepäck mit einem Begleitfahrzeug radeln.

Auf der Pass-Straße gibt es zahlreiche enge Kehren, in denen Fahrzeuge mit einem größeren Wendekreis als ein VW-Bus zurücksetzen müssen. In den Kehren kann die Straße sehr steil und rutschig sein, teilweise liegt der blanke Fels frei.

Eine Alternative zur Anreise nach Omalo mit einem eigenen Transportmittel sind die vierradgetriebenen Mitsubishi-Sammeltaxis. Achtung, die Fahrer schnallen sich während der Fahrt nicht an, damit sie im Falle eines Sturzes in die Schlucht schnell aus dem Fahrzeug springen können!

Auf den ersten 25 Kilometern ab Pshaveli geht es durch ein kontinuierlich enger werdendes, dicht bewaldetes Tal mit dem Fluss Stori. Nach 10 Kilometern liegt unmittelbar am Fluss ein großer Picknickplatz (N 42,16380° O 45,42308°) auf einer Höhe von 600 Metern. Die Wiese eignet sich gut zum Zelten und auch für Wohnmobile. Leider wurde der schöne Platz ziemlich vermüllt.

Etwa 22 Kilometer nach Pshaveli beginnt mit den ersten Serpentinen der steile Anstieg zum noch 23 Kilometer entfernten Sattel. Die durchschnittliche Steigung beträgt auf diesem Abschnitt 8% bis zur Passhöhe, es gibt jedoch auch längere Passagen mit 13% und in den äußerst steilen, rutschigen Kehren dürfte die Steigung noch wesentlich größer sein. Wer bereits an den ersten Serpentinen Probleme mit seinem Fahrzeug oder seinen Fähigkeiten hat, sollte hier umkehren und auf keinen Fall weiterfahren.

Nach den ersten Serpentinen ist das Tal so eng, dass die Piste in den Fels gesprengt werden musste. Enge, unübersichtliche Kurven winden sich um überhängenden Fels. Abbröckelndes Gestein liegt teilweise auf der Fahrbahn.

Überhängende Felsen bei Kilometer 25 ab Pshaveli
Bild: Überhängende Felsen bei Kilometer 25 ab Pshaveli, Höhe 1455 Meter
Engste Stelle in der Schlucht bei Kilometer 26 ab Pshaveli
Bild: Engstelle in der Schlucht bei Kilometer 26 ab Pshaveli

Nach 26 Kilometern führt eine Brücke über den Stori-Fluss und die Piste arbeitet sich in 7 Kehren am nordöstlichen Hang steil aus dem Tal heraus nach oben. 500 Höhenmeter werden über die Kehren auf 6 Kilometern gewonnen (durchschnittliche Steigung 8%).

Hat die Straße sich bisher nahe am Talgrund bewegt, fahren wir nun bis zum Sattel an einem sehr steilen, von Gras bewachsenen, teilweise felsigen Hang aufwärts.

Es gibt natürlich keinerlei Sicherungen auf der Talseite. Vorausschauendes Fahren ist gefragt, um bei Gegenverkehr Rückwärtsfahren zu vermeiden und rechtzeitig eine der wenigen Ausweichbuchten ansteuern zu können. Bei Gegenverkehr muss oft bis an die äußerste Kante der Piste gesteuert werden. Direkt dahinter geht es dann fast senkrecht in den Abgrund. In dem steilen Hang ist halt sehr wenig Platz..

Vier Kilometer nach den 7 Kehren folgt ein drei Kilometer langer Abschnitt mit 5 Kehren. Auf den vier Kilometern sind ein oder zwei Furten zu bewältigen. Der Wasserstand ist vom Wetter abhängig, wir sind Ende August mit unserem VW-Bus so gerade durch gekommen.

Bereits von weitem sehen wir den Hang mit den 7 Kehren in steilen Wiesen und Fels, durch den sich irgendwie die Piste um 220 Höhenmeter nach oben schraubt. Die durchschnittliche Steigung beträgt in diesen Serpentinen nur 7%, aber die Kehren sind beeindruckend steil und etwas beängstigend. Teilweise liegt dort der blanke Fels frei und macht die Haarnadelkurven rutschig.

Nach 42 aufregenden Kilometern ab Pshaveli stehen wir auf dem 2826 Meter hohen Sattel des Abano-Passes. Nach Norden blicken wir auf die von Schnee und Eis bedeckten Viertausender auf der russischen Seite und nach Süden schauen wir auf die bereits zurückgelegte Streckte.

Etwas oberhalb der Pass-Höhe stehen einige Mobilfunkantennen. Unmittelbar an der Straße ist eine steinerne Kapelle errichtet und es gibt einen unebenen Parkplatz. Wer die atemberaubende Landschaft beim frühen Morgen- und Abendlicht erleben möchte, sollte hier übernachten, auch wenn es nachts aufgrund der hhöe sehr kalt werden kann..

Auf der Nordseite des Passes geht es während der ersten 11 Kilometer um 500 Höhenmeter mit durchschnittlich 8% abwärts. In 11 Kehren schraubt sich die Piste in ein enges Tal hinunter. Nach der zweiten Kehre bietet sich noch eine Möglichkeit zum Übernachten (kein Wasser).

Bei Kilometer 48 beginnt erneut ein Abschnitt mit Serpentinen. Dieses Mal sind es 9 Kehren beginnend auf einer Höhe von 2350 Metern.

Abano-Pass-Straße, Blick nach Norden auf die letzten Kehren der nördlichen Rampe (48 Kilometer ab Pshaveli, 2300 Meter Höhe)
Bild: Abano-Pass-Straße, Blick nach Norden auf die letzten Kehren der nördlichen Rampe (48 Kilometer ab Pshaveli, 2300 Meter Höhe)

Nach diesen Kehren haben wir den Talgrund mit dem Chabalakni-Fluss erreicht. Sogleich wird es eng, kaum Platz für Fluss und Straße. Der Fluss reißt immer wieder die Piste weg. Während unserer Befahrung wurde gerade wieder mit schwerem Gerät die fortgeschwemmte Piste neu angelegt. Die Baustelle war in einem üblen Zustand. Wenn Fahrzeuge passieren wollten, wurde von den Kettenfahrzeugen provisorisch Schutt geschoben, so dass wir mit viel Mühe hindurch konnten.

Abano-Pass-Straße, nördliche Rampe (52 Kilometer ab Pshaveli, 1950 Meter Höhe)
Bild: Abano-Pass-Straße, enger Tallgrund auf der Nordseite (52 Kilometer ab Pshaveli, 1950 Meter Höhe)

12 Kilometer geht es nun durch die Schlucht. Wir passieren eine Station der Nationalpark-Ranger. Bei Kilometer 59 biegen zwei Pisten zu hoch über dem Tal liegenden Dörfern ab. Und bei Kilometer 62 verlässt die Piste überraschend das Tal und schwenkt nach Südosten.

Wir sind nur noch auf einer Höhe von 1700 Metern, 1100 Höhenmeter haben wir auf den 42 Kilometern seit der Abano-Passhöhe verloren. Auf den nächsten 10 Kilometern steigt die Piste nochmals um 330 Höhenmeter nach Omalo an.

Nach nur zwei Kilometern in Richtung Süden geht es in 4 Kehren einen erdigen, steilen Hang hinauf. Auf der anderen Seite des Tals kleben zwei Dörfer an einem Steilhang. Nun sind es nur noch 5 Kilometer bis Lower Omalo. Der Ort liegt mit seinen verteilt liegenden Häusern auf einer Hochfläche.

Es gibt sowohl in Lower als auch in Upper Omalo einige Pensionen, in Lower Omalo außerdem ein kleines Geschäft, in dem man sich mit Lebensmitteln versorgen kann. Beide Orte liegen nur etwa 2 Kilometer voneinander entfernt. Upper Omalo ist mit seinen vielen alten Holzhäusern und den über dem Ort liegenden Wehrtürmen interessanter.

Im Umfeld von Omalo gibt es viele interessante Möglichkeiten für Ausflüge. Sie können der Übersichtskarte und den Detailbeschreibungen der Webseite Caucasus Trekking entnommen werden.

Von Omalo nach Shenako und Diklo

Höhendiagramm zur Piste von Lower Omalo über Shenako nach Diklo
Bild: Höhendiagramm zur Piste von Lower Omalo über Shenako nach Diklo

Die Piste von Lower Omalo über Shenako nach Diklo weist ein beeindruckendes Höhenprofil auf: 670 Höhenmeter ansteigend mit einer durchschnittlichen Steigung von 12% und 590 Höhenmeter abfallend mit einem durchschnittlichen Gefälle von 10% auf einer Distanz von nur 15 Kilometern. Alleine auf dem Abschnitt von Lower Omalo bis Shenako beträgt die durchschnittliche Steigung satte 14,5%!

Auf drei Kilometern geht es durch Wald steil hinunter in eine Schlucht. In die Piste ist durchgängig in der Mitte eine tiefe Rinne zum Ablauf von Regenwasser gefräst. Neben den enormen Steigungen mach diese Rinne die Strecke noch schwieriger zum Fahren. Gegenverkehr ist auf Grund des Buschwerks und der Kurven nicht vorausschauend zu erkennen - einer muss in diesem Fall zurücksetzen.

Natürlich kann dieser Weg auch als Wanderung gemacht werden (siehe Caucasus Trekking).

Der nette Ort Shenako (Pensionen) liegt in einem weiten Wiesental. Von Shenako geht ihr weiter auf einem Fahrweg durch ein Wiesental mit einer herrlichen Bergkulisse nach Diklo. Auch in Diklo gibt es einige Unterkünfte und Möglichkeiten zum Essen.

Von Diklo besteht die Möglichkeit, auf einem schwierigen Weg nach Dartlo zu wandern.

Von Omalo über Dartlo nach Shatili

Dies ist eine sehr populäre fünftägige Wanderung. Siehe hierzu auch unsere Beschreibung der Anreise nach Shatili.

Alternativ kann von Omalo auch ein Tagesausflug über diese Route bis Dartlo unternommen werden. Mehr als 50% der Strecke verläuft über die 4WD-Piste nach Dartlo.

Dartlo ist ein sehr interessanter Ort. Dicht an dicht schmiegen sich die Häuser aus Bruchstein am Hang. Es ist ein Erlebnis, zwischen ihnen zu spazieren. In Dartlo könnt ihr übernachten und essen.

Übersichtstabelle zur Tour

Merkmale des Weges Beschreibung
Länder Georgien
Start, Ende Pshaveli, Omalo
Länge der Strecke 71 Kilometer
Höhenmeter steigend 2841
Höhenmeter fallend 1314
Durchschnittliche Steigung 7,0 %
Durchschnittliches Gefälle 7,0 %
Wegeführung und Verkehr einspurige Straße, wenig Verkehr
Wegebelag Piste ohne Asphalt, 4WD erforderlich
Karte zur Tour von Pshaveli nach Omalo
Bild: Karte zur Tour von Pshaveli nach Omalo
Picknickplatz am Fluss Stori (N 42,16380° O 45,42308°, 10 Kilometer ab Pshaveli, Höhe 600 Meter
Bild: Picknickplatz am Fluss Stori (10 Kilometer ab Pshaveli, Höhe 600 Meter)
Erste Serpentinen auf der Südflanke des Abano-Pass
Bild: Erste Serpentinen an der Südflanke des Abano-Pass (22 Kilometer ab Pshaveli, Höhe 1240 Meter)
Südflanke Abano-Pass, in vielen Kehren windet sich die Piste durch Buschwerk aus dem engen Talgrund hinaus
Bild: Südflanke Abano-Pass, in 7 Kehren windet sich die Piste durch Buschwerk aus dem engen Talgrund hinaus (28 Kilometer ab Pshaveli, Höhe 1640 Meter)
Blick auf die 5 Kehren, 37 Kilometer ab Pshaveli Höhe unterste Straßenetage 2370 Meter
Bild: Blick auf die 5 Kehren, 37 Kilometer ab Pshaveli, Höhe der unteren Straßenetage 2370 Meter)
Unterste Straßenebene vor den 5 Kehren, 37 Kilometer ab Pshaveli, Höhe 2370 Meter)
Bild: Unterste Straßenebene vor den 5 Kehren (37 Kilometer ab Pshaveli, Höhe 2370 Meter), am oberen Bildrand die nächste Straßenebene
Viehabtrieb auf der Abano-Pass-Straße
Bild: Viehabtrieb auf der Abano-Pass-Straße
Blick von der Passhöhe auf die südliche Rampe der Piste kurz vor dem Sattel
Bild: Blick von der Passhöhe auf die südliche Rampe der Piste kurz vor dem Sattel
Blick von der Passhöhe auf die südliche Rampe der Piste, links der 2 Kilometer lange Abschnitt in 2200 Metern Höhe zwischen den beiden Abschnitten mit 7 und 5 Kehren, rechts die Piste oberhalb der 5 Kehren
Bild: Blick von der Passhöhe auf die südliche Rampe der Piste, links der 2 Kilometer lange Abschnitt in 2200 Metern Höhe zwischen den beiden Abschnitten mit 7 und 5 Kehren, rechts die Piste oberhalb der 5 Kehren
Erste Serpentinen auf der Südflanke des Abano-Pass
Bild: Blick von der Passhöhe nach Norden (42 Kilometer ab Pshaveli, Höhe 2826 Meter), unten die Nordrampe der Pass-Straße
Erste Serpentinen auf der Südflanke des Abano-Pass
Bild: Blick von der Passhöhe auf die erste von 11 Kehren auf der Nordflanke des Abano-Pass (43 Kilometer ab Pshaveli, Höhe 2790 Meter)
Blick von der Passhöhe auf die nördliche Rampe
Bild: Blick von der Passhöhe auf die nördliche Rampe
Lower Omalo
Bild: Lower Omalo
Wehrtürme von Upper Omalo
Bild: Wehrtürme von Upper Omalo
Upper Omalo
Bild: Upper Omalo
Dartlo
Bild: Dartlo
Shenako
Bild: Shenako
Der Weg von Shenako nach Diklo
Bild: Der Weg von Shenako nach Diklo
Höhendiagramm zur Tour von Zhinvali nach Pshaveli
Bild: Höhendiagramm zur Tour von Pshaveli nach Omalo