Touren-Wegweiser für Radfahren und Wandern

Karte zur Radtour von Russel nach Awanui
Bild: Karte zur Radtour von Russel nach Awanui
Wir beschreiben auf dieser Seite einen 120 Kilometer langen Abschnitt einer Radtour von Russel nach Awanui. Dieser Abschnitt ist Teil des Radweges von Auckland zum Cape Reinga an der Nordspitze Neuseelands und zurück nach Auckland. Eine Übersicht zu allen Seiten des Radweges ist oben am Beginn dieser Seite dargestellt.

Radtour von Russel nach Awanui

Von Russel nach Awanui ist die Strecke längst nicht so interessant und abwechslungsreich wie an der südlich gelegenen Ostküste. Es geht überwiegend abseits des Meeres durch Weideland. Nicht weit hinter Paihia treffen wir auf die Waitangi Treaty Grounds, eine der wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten Neuseelands. Wir radeln zwar nicht auf dem State Highway 1, aber trotzdem gibt es mindestens bis zur Stadt Kerikeri regen Verkehr. Die Straße wendet sich immer mehr nach Westen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, den häufig wehenden Westwind von vorne kennenzulernen. Unser Höhendiagramm am Ende der Seite zeigt, dass es auch einige gut spürbare Steigungen zu absolvieren gibt.

Von Russel setzen wir mit einer Personenfähre über die Bay of Islands nach Paihia über. Paihia ist noch touristischer als Russel, moderner und längst nicht so schön. In einem großen Supermarkt kann endlich mal wieder günstig eingekauft werden und die i-Site am Fähranleger informiert über Ausflugsmöglichkeiten, besonders Bootstouren über die Bay of Island oder Schwimmen mit Delfinen sind angesagt.

Von Paihia radeln wir weiter die breit ausgebaute und mit einigem Verkehr ausgelastete Puketona Road (SH11). In Waitangi, wenige Kilometer hinter Paihia, gibt es die Waitangi Treaty Grounds zu besichtigen.

Sie gehören zu den wichtigsten historischen Orten Neuseelands.43 Maori-Häuptlinge unterzeichneten hier am 6. Februar 1840 den Vertrag von Waitangi mit der Britischen Krone, in dem die Oberhoheit der Briten anerkannt wurde und der quasi als "Geburtsurkunde" des Staates Neuseeland gilt . Das Treaty House wurde 1832 als Wohnstätte des Briten James Busby erbaut. Heute ist es eine Gedenkstätte mit Museum. Das reich verzierte Versammlungshaus (whare runanga) wurde 1940 zur Hundertjahrfeier des Vertrages fertiggestellt wurde. Aufwendige Schnitzereien repräsentieren die wichtigsten Maori-Stämme. Nahe der Bucht kann zudem ein 35 Meter langes Kriegskanu (waka taua) besichtigt werden.

Ein Wanderweg (einfache Strecke 1 ½ Std., 5 km) führt von den Treaty Grounds am Waitangi River entlang zu den sehenswerten Haruru Falls. Ein Teil des Weges führt über einen Holzsteg durch die Mangroven. Alternativ erreicht man die Wasserfälle auch mit dem Rad über die Puketona Road.

Im weiteren Verlauf sind auf der Puketona Road einige Hügel mit bis zu 8% zu meistern bis schließlich der SH10 erreicht wird. Der SH10 ist noch breiter ausgebaut als der von Paihia kommende SH11 und hat noch mehr Verkehr. Durch die schnell fahrenden Autos macht das Radeln trotz überwiegenden Vorhandensein eines Seitenstreifens keinen Spaß. Wieder liegen einige Hügel vor uns, bis wir endlich Kerikeri erreichen.

Der SH10 geht an der Stadt vorbei. Wer in Kerikeri einkaufen oder übernachten möchte, muss in die fünf Kilometer entfernte Stadt abzweigen. In dem großen, regen Zentrum gibt es viele Geschäfte und Motels sowie einen Campingplatz. (siehe Streckenübersicht).

Besichtigen kann man In Kerikeri Neuseelands ältestes Steingebäude (Stone Store) und den interessanten Nachbau eines Maori-Dorfes (Rewas Village). Beides liegt unmittelbar nebeneinander nördlich des Ortszentrums am Meer. Vom Zentrum aus folgt man der Ausschilderung zu den beiden Sehenswürdigkeiten. Zur SH10 kann man von dort weiterfahren, ohne zurück ins Zentrum zu kurbeln. Auf dem Weg zur SH10 kommen wir an den Rainbow Falls vorbei, müssen allerdings eine Stichstraße 70 Höhenmeter hinunter zum Fluss rollen.

Auf dem SH10 hat nördlich von Kerikeri der Verkehr merklich abgenommen. Leider wird auch hier noch sehr schnell gefahren, was unangenehm ist, wenn mal der Seitenstreifen fehlt.

Die Strecke bleibt weiterhin hügelig, Anstiege und Gefälle liegen jedoch maximal bei 8%. Wir radeln durch Farmland, unser Highway steigt auf dem Abschnitt zwischen Kerikeri und Kaeo bis auf 240 Meter über dem Meeresspiegel an. Von oben bietet sich ein weiter Blick über die vielen Wiesenhügel. Es folgt eine herrliche Abfahrt hinunter nach Kaeo, dort gibt es einen Store und Bänke mit Tischen einem kleinen Park.

Zwei Kilometer nördlich von Kaeo zweigt eine Stichstraße zum sechs Kilometer entfernten Whangaroa Harbour ab. Whangaroa ist ein Eldorado für Hochseeangler, was sich auch anhand der unzähligen Lodges bemerkbar macht (Übernachtungsmöglichkeiten siehe Streckenübersicht). Von Whangaroa Harbour aus können mehrere Wanderungen unternommen werden. Am einfachsten ist die Besteigung des 213 Meter hohen St. Pauls Rock. Die extrem steile Zufahrt auf der Old Hospital Road muss man allerdings hoch schieben und sein Rad am Beginn des 600 m kurzen Wanderpfades abstellen. Über einen Wiesenweg geht es steil zum Fuß eines Felsens hinauf. Auf die Spitze des Felsens Felsen gelangt man dank einiger Eisenketten, mit deren Hilfe man sich leicht hochziehen kann. Von oben bietet sich ein sehr schöner Blick über die Waitapu Bay und den Whangaroa Harbour und die verstreut an den Buchten liegenden Häusern von Whangaroa.

Nächster Ort nach Whangaroa ist Mangonui. Bis dahin sind wieder einige Hügel zu meistern, die jedoch nicht mehr als 7% aufweisen. Zwischendurch können wir uns auf einigen längeren ebenen Abschnitten entspannen, wenn einem nicht gerade starker Westwind entgegen weht, wie während unserer Befahrung. Die Straße wendet sich nun zunehmend nach Westen und Westwind ist hier die vorherrschende Windrichtung. Wir radeln bis Awanui durch Farmland mit Weiden. Da es entlang des breiten SH10 (mit großzügigem Seitenstreifen!) wenig Bäume oder Buschwerk gibt, kann der Wind uns Radler ganz schön malträtieren und selbst auf den ebenen Abschnitten auf 10 Kilometer pro Stunde abbremsen. In den Steigungen ist heftiger Gegenwind noch wesentlich unangenehmer.

Ein Abstecher zum einen Kilometer vom State Highway 10 entfernten Ortszentrum von Mangonui ist lohnend. Neben einem Store, Cafe und Hotel sowie hübschen alten Holzhäusern lädt eine kleine, hölzerne ins Meer gebaute Promenade zum Verweilen ein. Im Bogen fährt man zur Hauptstraße zurück und passiert noch einen Imbiss mit frisch zubereitetem Fisch.

Ab Mangonui radeln wir an der großen Doubtless Bay entlang, die sich ihrerseits in kleinere Sandbuchten unterteilt. An den Stränden gibt es stets Picnic Areas mit Tischen und Bänken für eine Rast. Zwischen den einzelnen Buchten fordern uns Anstiege von bis zu 9%. Sehr schön ist der Coopers Beach mit seinem goldfarbenen Sandstrand und Blick nach Osten und Westen auf die teils felsige Küstenlinie. Nach einigen Kilometern wendet sich die Straße vom Meer ab. Längere ebene Abschnitte und noch längere hügelige Bereiche wechseln einander ab. Wir radeln weiterhin durch Farmland mit teils großen Rinderherden auf den Weiden. Einige Kilometer vor Awanui wird die Straße ebener.

Awanui ist nicht viel mehr als eine Straßenkreuzung mit einigen Häusern. Wer vor den letzten 100 Kilometern nach Cape Reinga noch einmal in einem großen Supermarkt einkaufen, muss in Awanui auf den SH1 in Richtung Süden zum acht Kilometer entfernten Ort Kaitaia abbiegen. Nach dem Einkauf sind die flachen acht Kilometer jedoch auch wieder zurück nach Awanui zu kurbeln.

Unterkünfte entlang der Strecke von Russel nach Awanui sind in der Streckenübersicht beschrieben.

SH10 nördlich des Waitangi Rivers
Bild: SH10 nördlich des Waitangi Rivers
Waitapu Bay bei Whangaroa
Bild: Waitapu Bay bei Whangaroa
SH10 nördlich des Whangaroa Harbour
Bild: SH10 nördlich des Whangaroa Harbour
Mangonui
Bild: Mangonui
Mangonui
Bild: Mangonui
Cable Bay
Bild: Cable Bay
Dairy in Awanui
Bild: Dairy in Awanui

Impressionen

Am späten Nachmittag rollen wir nach Kerikeri rein. Der erste Weg führt natürlich in den großen Supermarkt. Nach dem Einkauf stehen wir mit unserer Straßenkarte an einer Kreuzung und überlegen, wo es hier wohl zum Campground geht. Es wird bereits kühl, ein frischer Wind fegt über die Straßen. „What are you looking for, can I help you?“ Dass man in Neuseeland selten länger als eine Minute sich orientierend an der Straße steht, daran haben wir uns bereits gewöhnt, sofort ist immer ein kommunikationsfreudiger Kiwi zur Stelle. Aber hier steht eine Neuseeländerin mit Fahrradhelm, knallig-gelber Warnweste und einem uralten klapprigen Fahrrad vor uns. Nein, den Weg zum Zeltplatz kennt sie auch nicht, aber wir können gerne bei ihr zu Hause übernachten, es sei nur 10 Minuten entfernt.

Dieses freundliche Angebot nehmen wir natürlich gerne an, und so folgen wir Catherine gespannt durch die Wohnstraßen von Kerikeri und schließlich über einen holperigen Feldweg bis zu einem großen Gartengelände, in dessen Mitte ein Holzhaus liegt. Hier leben Catherine und ihr Mann Luc – zusammen mit einer Katze, zwei Kühen sowie einigen Schafen, Ziegen, Hühnern und Gänsen. Im Garten wächst fast alles, was sie als Selbstversorger brauchen, und was fehlt, wird in Naturalien mit den Nachbarn getauscht.

Luc und Catherine sind ca. Mitte 50 und vor 13 Jahren mit ihren drei Kindern aus Frankreich nach Neuseeland ausgewandert. Zuerst lebten sie auf einem Segelschiff an der Südinsel, seit zehn Jahren bauen sie sich ihre Selbstversorgerfarm in Kerikeri auf. Das urige Haus ist selbstgebaut, sehr individuell und ungemein gemütlich. Auch ihre Kleidung und die Möbel machen sie zum großen Teil selber. Mittlerweile sind die Kinder erwachsen und wohnen nicht mehr zu Hause.

Wir werden mit großer Herzlichkeit aufgenommen, bestehen aber darauf, unser Zelt im Garten aufzubauen, statt, wie angeboten, in das Gästezimmer zu ziehen. Wohltuend ist die heiße Dusche im geheizten Badezimmer. Unsere nassen Handtücher hängen dann zum Trocknen auf einem Holzgestell über dem großen gusseisernen Holzherd im Esszimmer. Etwas zögernd betreten wir die Wohnräume – wir möchten nicht aufdringlich sein, aber auch nicht durch zu große Distanz unfreundlich erscheinen. Gar nicht so einfach, wenn man plötzlich in die Privatsphäre völlig fremder Menschen einfällt. Aber unsere Gastgeber machen es uns wirklich leicht, sie nehmen uns völlig selbstverständlich wie zwei langersehnte Familienmitgliede auf. Es sind auch noch weitere Gäste hier – zwei junge Mädchen aus Deutschland helfen als „wwoofer“ in Haus und Garten und wohnen dafür kostenfrei. Wir kochen alle gemeinsam und teilen unser Essen. Abends kommt auch noch die jüngste Tochter mit ihrem Mann übers Wochenende zu Besuch.

So sind wir eine große Runde am Esstisch; es wird viel erzählt, gelacht und über Gott und die Welt diskutiert. Denn die Familie ist sehr religiös und Mitglied der Baptistischen Gemeinde in Kerikeri. Wir sind sehr beeindruckt, wie selbstverständlich ihr Glaube der Grundpfeiler ihres Lebens ist und sie die Nächstenliebe als ihr ureigenes Bedürfnis im Alltag leben. Vor unserem Aufbruch am nächsten Morgen versammeln wir uns händehaltend im Kreis und Luc spricht einen Segen für unsere weitere Reise. Catherine füllt unsere Packtaschen mit Orangen und Zitronen aus dem Garten, ein Glas selbstgemachte Marmelade passt auch noch hinein. Als wir endlich nach vielen Umarmungen winkend davonradeln, haben wir das wunderbare Gefühl, Freunde gewonnen zu haben.

Höhenprofil zur Radtour von Russel nach Awanui
Bild: Höhenprofil zur Radtour von Russel nach Awanui (—»)