Touren-Wegweiser für Radfahren und Wandern

Auf dieser Seite:

Norwegen, Radweg 1-6, Küstenweg, Tromsø - Nordkap


Abschnitt:

Olderfjord - Honningsvåg

Honningsvåg, Norwegen
Bild: Honningsvåg

Einführung

Wir beschreiben auf dieser Seite einen 100 Kilometer langen Abschnitt eines Radweges durch Norwegen von Olderfjord über die E69 nach Honningsvåg. Er ist Teil einer Radtour von Tromsø zum Nordkap. Eine Übersicht zu allen Seiten der Radtour ist oben am Beginn dieser Seite dargestellt.

Radtour von Olderfjord nach Honningsvåg

Der zur Gemeinde Porsanger gehörende Ort Olderfjord liegt am Abzweig der E69 von der Europastraße 6. Während die E6 weiter in östlicher Richtung nach Kirkenes zur russischen Grenze führt, radeln wir über die E69 direkt nach Norden zum Nordkap.

Logo Eurovelo 7Der folgende Abschnitt unserer Radtour ist identisch mit der Streckenführung der Eurovelos 1 und 7. Er ist jedoch vor Ort nicht ausgeschildert.

Es gibt auf dem gesamten Abschnitt bis Honningsvåg keine Einkaufsmöglichkeiten!

Unsere Radtour geht anfangs entlang des kleinen Olderfjords und wenig später entlang des Smørfjord durch eine von Wiesen geprägte Landschaft. Die beiden Fjorde sind kleine Seitenarme des riesigen Porsangerfjords, den wir bis zum Ziel dieser Etappe begleiten.

In dem wenige Kilometer nach Olderfjord folgenden Ort Solberg gibt es einen einfachen Campingplatz auf einer in den Smørfjord ragenden Halbinsel (N 70,52613° O 25,09003°).

Auf dem folgenden Abschnitt bis zum Nordkaptunnel begleiten wir die Steilküste entlang des Porsangerfjords. Die Felsen fallen sehr steil ins Meer, für die Straße bleibt nur wenig Platz. Es ist kaum noch Platz für ein wenig Gras, Bäume gibt es hier oben im Norden nicht mehr, es herrscht das Grau der von Wind und Salwasser verwitterten Felsen vor.

Skarvbergtunnel, Norwegen
Bild: Skarvbergtunnel

Der Skarvberg fällt so steil ins Meer, dass ein Weiterkommen nur mit dem 2980 Meter langen Skarvbergtunnel möglich ist:

Skarvbergtunnel, Norwegen
Bild: Skarvbergtunnel

Hinter dem Tunnel folgen drei geschützte Buchten, die ein wenig Raum für Rastplätze mit Tischen und Bänken bieten. Hier kann im Notfall bei extrem schlechtem Wetter auch auf ebenen Wiesenflächen ganz gut gezeltet werden. Es handelt sich um die Buchten Skarvbergvika (N 70,62786° O 25,33348°), Indre Sortvik (N 70,64214° O 25,36231°) und Ytre Sortvik (N 70,66811° O 25,38814°).

Vor der dritten Bucht erwartet uns der nur 500 Meter lange Sortviktunnel.

Mit Erreichen der kleinen Ortschaft Repvåg wird die Küstenlinie weniger steil. In Repvåg kann bei Sarnes Rorbuer in Hütten am Meer übernachtet werden. Die Hütten liegen etwa 1,5 Kilometer abseits der E69 auf der Halbinsel Repvåg.

Nördlich von Repvåg gibt es bei N 70,74009° O 25,61047° und N 70,74936° O 25,59135° Naturzeltstellen.

Die E69 verlässt nun hin und wieder die Küste und kürzt einige Buchten ab. Hinter Porsanger geht es steil 80 Höhenmeter aufwärts. Die Straße wendet sich nun nach Westen. Auf der anderen Seite des kleinen Höhenrückens geht es runter zur Ortschaft Kåfjord. Hier legte früher die Fähre nach Honningsvåg an. Nun umrundet die E69 den Kåfjord. Im inneren Bereich des Fjords gibt es Naturzeltstellen an einem Bach (N 70,86230° O 25,72602°).

Wir folgen dem Kåfjord bis zum Eingang in den Nordkaptunnel. Dieser 6870 Meter lange Tunnel ist das Erlebnis dieser Touretappe. Mit 9% Gefälle geht es wie auf einer Rampe 3 Kilometer steil abwärts bis auf 212 Meter unter dem Meeresspiegel. Es folgt ein kurzes ebenes Stück und dann ein Anstieg über 3 Kilometer mit 9% hinauf zur Insel Magerøya. Unter dem Meer beträgt die Felsdicke zwischen Wasser und Tunnel mindestens 50 Meter. Die zweispurige Fahrbahn ist 6 Meter breit. Zwischen Fahrbahn und Tunnelwand gibt es einen Randstreifen, auf dem ggf. das Rad auch geschoben werden kann. Unangenehm wird es natürlich, wenn viel Verkehr herrscht. Der Tunnel wird mit Turbinen entlüftet, deren Lärmpegel enorm ist. Eine besondere Herausforderung ist auch der Anstieg mit 9 bis 10%. Wir Radfahrer fallen hier in ein Kriechtempo, das den Aufenthalt in der Röhre erheblich in die Länge zieht. Während es bei der Abfahrt sehr kalt wird, fließt bei der Auffahrt der Schweiß in Strömen.

Das folgende erste Bild zeigt die Einfahrt in den Nordkaptunnel auf dem Festland und das dritte Bild die Tunnelausfahrt auf der Insel Magerøya.

Nordkaptunnel, Norwegen
Bild: Südlicher Eingang in den Nordkaptunnel
Nordkaptunnel, Norwegen
Bild: Nordkaptunnel
Nordkaptunnel, Norwegen
Bild: Nördlicher Eingang in den Nordkaptunnel

Auf Magerøya quert der Nordkaptunnel noch eine Halbinsel und entlässt uns oberhalb des Sarnesfjords. Die E69 umrundet den Sarnesfjord und erreicht schließlich den 4400 Meter langen Honningsvågtunnel. Mit einer maximalen Steigung von 2% ist er sehr bequem zu befahren. Auf der anderen Seite des Tunnels sehen wir auch schon den Ort Honningsvåg.

Honningsvåg

Wir müssen lediglich noch einen kleinen Fjord umrunden und erreichen an dessen Ende eine Stichstraße nach Honningsvåg. Gleich am Ortseingang gibt es einen großen Supermarkt. Darüber hinaus bietet eine Touristeninformation ihre Dienste an. Einen Campingplatz gibt es direkt in Honningsvåg nicht. Wer zelten möchte, muss noch fünf Kilometer auf der E69 nach Norden radeln (siehe nächste Seite).

In Honningsvåg kann man in folgenden Hotels übernachten:

Touristisch hat Honningsvåg kaum etwas zu bieten. Es ist für Tourenfahrer eine wichtige Einkaufsmöglichkeit auf dem Weg zum Nordkap. Nördlich von Honningsvåg gibt es nämlich keine Geschäfte. Darüber hinaus ist der Ort ein kleiner Verkehrsknotenpunkt. Er verfügt über einen Flughafen, eine Anlegestelle der Hurtigruten und einige Fernbuslinien starten hier. Vor allem aber ist Honningsvåg ein absoluter Pflichtstopp für alle Kreuzfahrtschiffe, deren Insassen den Ort dann überschwemmen.

Möglichkeiten zur Weiterfahrt ab Honningsvåg sind auf der nächsten Seite beschrieben.

Europastraße 69 in Nordnorwegen am Porsangerfjord: Skarvbergtunnel, Norwegen
Bild: Karte zur Radtour von Olderfjord nach Honningsvåg
Europastraße 69 in Nordnorwegen am Porsangerfjord: Skarvbergtunnel, Norwegen
Bild: Eingang in den Skarvbergtunnel in der Nähe der Ortschaft Ytre Nordmannset
Rastplatz in der  Bucht Skarvbergvika bei Kilometer 31 nach Olderfjord, Norwegen
Bild: Rastplatz in der Bucht Skarvbergvika bei Kilometer 31 nach Olderfjord
E69. Norwegen
Bild: 34 Kilometer nördlich von Olderfjord
E69. Norwegen
Bild: E69 oberhalb des Ortes Hjellness am Porsangvika
E69, Sarnesfjord, Norwegen
Bild: E69 am Kåfjord 75 Kilometer nördlich von Olderfjord

Höhenprofil der Radtour von Olderfjord nach Honningsvåg

Dies ist mal ein ganz besonderes Höhenprofil. Es zeigt nicht nach oben, sondern unter die Meereshöhe! Nur westlich von Porsanger gibt es einen kräftigen Anstieg auf 80 Meter über dem Meeresspiegel. Ansonsten bewegen wir uns auf dieser Radtour überwiegend knapp über Meereshöhe.

Dramatisch ist der Nordkaptunnel mit dem tiefsten Punkt 212 Meter unterhalb des Meeresspiegels. Natürlich hatten wir im Tunnel keinen Satellitenempfang für die Vermessung des Höhenprofils mit unserem Navi und mussten diesen Abschnitt später anhand der Tunneldaten manuell in das Höhenprofil eintragen.

Olderfjord-Honningsvaeg
Bild: Höhenprofil zur Radtour von Olderfjord nach Honningsvåg

Impressionen

Der graue Himmel passt prima zu den grauen Felsen. Hin und wieder zwingen uns Regenschauer in unsere wasserfeste Kleidung. Bei diesem Wetter ist die Tour entlang des Olderfjords recht ungemütlich, allerdings könnte es mit Regen und Sturm auch deutlich schlechter sein. Wir wollen also nicht jammern. Am Ytre Sortvik nutzen wir den Rastplatz mit Tischen und Bänken für eine Rast. Bei dem nasskalten Wetter fällt die Pause zwangsläufig recht kurz aus. Beim Radeln bleibt man wenigstens warm.

Was uns während des Pedalierens bewegt, ist der fast sieben Kilometer lange Nordkaptunnel. Zweihundert Höhenmeter mit einer steilen Ab- und Auffahrt erwarten uns. Sehr unangenehm kann es da bei starkem Verkehr werden. Aber bisher hält sich der Verkehr auf der E69 sehr in Grenzen. Vielleicht liegt es am Wetter oder auch an der Uhrzeit.

Am späten Nachmittag stehen wir schließlich vor der Einfahrt in den Tunnel. Vor uns stehen noch zwei Tourenradler. Sie fahren rein, da wagen wir es auch.

Wie auf einer Rampe geht es ohne Kurven mit 9% abwärts. Es ist gefühlt irrsinnig steil, weil unser Blick nur konzentriert in den dunklen,Abgrund vor uns gezogen wird. Wir fahren sehr langsam mit ständig angezogenen Bremsen, haben das Gefühl ohne Aussicht auf ein Ende in die Erde abwärts zu rollen - so etwas erlebt man sonst nur in klaustrophobischen Träumen.

Sind wir bereits unter dem Meer? Es ist sehr kalt, wir haben unsere dicken Handschuhe übergezogen. Leichter Nebel liegt im Tunnel, hin und wieder glitzert Eis am Straßenrand. Dann kommt von vorne etwas Gigantisches. Ein Höllenlärm nähert sich, es muss ein riesiges Gefährt sein. Nein, der Lärm wie von einem Düsentriebwerk ist nun direkt über uns. Gigantische Turbinen sorgen für einigermaßen frische Luft.

Wir erreichen endlich den tiefsten Punkt und fahren für einige hundert Meter auf ebener Strecke. 50 Meter Fels und 150 Meter Wasser lasten über uns. Wir haben keine Zeit, weiter darüber zu sinnieren, denn schon kommt der Anstieg. Mit 9 bis 10% geht es jetzt kontinuierlich und wieder fast ohne Kurven aufwärts. Nur gleichmäßig kurbeln und atmen, die Spur mit den schwerbepackten Rädern eng am Fahrbahnrand halten und bloß nicht anhalten. Die Anstrengung bringt uns nun kräftig zum Schwitzen. Im Tunnel ist noch immer kein Ende zu sehen. Wir wissen nicht, wieviel noch vor uns liegt. Man verliert das Gefühl für Zeit und Raum.

Nach einer sachten Kurve sehen wir dann plötzlich Tageslicht. Wir haben es geschafft und sind nun tatsächlich etwas stolz auf uns. Zum Glück haben uns nur einige Wohnmobile und wenige Reisebusse im Tunnel überholt und wie so oft in Norwegen wurde sehr rücksichtsvoll gefahren. (—»)

E69, Sarnesfjord, Norwegen
Bild: Hafen von Honningsvåg mit einem Schiff der Hurtigruten
E69, Norwegen
Bild: E69 vor der Felsspitze Skarvbergneset