Touren-Wegweiser für Radfahren und Wandern

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Radtour Neuseeland, Te Anau - Milford Sound

Abschnitt:

Einführung

Milford Sound
Bild: Ostufer des Milford Sound

Einführung

Karte zur Radtour von Te Anau zum Milford Sound
Bild: Karte zur Radtour von Te Anau zum Milford Sound

Te Anau und Fjordland National Park

Te Anau liegt am östlichen Rand des Fjordland National Parks und gilt als Eingangstor in den riesigen Park. Dieser 1952 gegründete Nationalpark ist mit über 1,2 Millionen Hektar der größte in Neuseeland.

In Fjordland ist das Wetter oft wenig vorhersehbar und sehr dramatisch. Westliche Winde treffen hier auf die steil aufragenden Southern Alps und erzeugen heftige Regenfälle und viel Schnee. In Te Anau werden im Jahresdurchschnitt 1200 Millimeter Niederschlag und am Milford Sound 8000 Millimeter gemessen!

14 Fjorde gibt es in Fjordland, einige davon sind bis zu 40 Kilometer lang.

Im Fjordland National Park Visitor Centre des Department of Conversation (DoC) in Te Anau, unmittelbar am Lake Te Anau am südlichen Ortsrand gelegen, kann man sich im Detail über Wanderungen und die aktuelle Begehbarkeit der Wege informieren sowie Hütten und Permits für die Great Walks in der Region buchen. Zudem gibt es direkt im Ort in Seenähe eine i-Site. Zahlreiche Anbieter von Touren haben im Ort ihr Büro und bieten ihre Dienste an.

Ein ein- oder mehrtägiger Ausflug zum Doubtful Sound gehört zu einem der Höhepunkte in der Region. Angeboten werden Bootsfahrten auf dem Fjord und auch geführte Kajaktouren. Allerdings kann die Tour zum Doubtful Sound nur als organisiertes Paket inklusive der Anreise gebucht werden. Zunächst fährt man mit einem Schiff über den Lake Manapouri und weiter mit einem Bus über den Wilmot Pass zum Doubtful Sound. Dort starten die Bootstouren über den See. Kajakfahrten beschränken sich auf einen kleinen Teil des riesigen Fjords. Während der Hauptsaison besteht eine große Nachfrage und viele Touren können auf längere Sicht ausgebucht sein. Außerdem ist er Spaß auch nicht ganz billig.

Milford Sound

Ein Ausflug zum Milford Sound gehört zu den absoluten Highlights einer Reise durch Neuseeland und darf keinesfalls ausgelassen werden. Bereits die Anfahrt auf der Stichstraße durch den Fjordland National Park ist atemberaubend, die Täler werden zunehmend enger, die Straße schmaler und kurviger und die Berge immer steiler und höher. Das alles wird jedoch noch vom Milford Sound selbst übertroffen. Von steil aufragenden Bergen ist der Fjord ringsum eingeschlossen, eine magische Welt, deren Atmosphäre sich wohl niemand verschließen kann und die zum stundenlangen Staunen veranlasst. Ein Bootsausflug über den Sound rundet die intensiven Eindrücke ab. Wer sich auch auf dem Wasser körperlich betätigen möchte, kann geführte Touren mit Kajaks buchen. Während Bootsfahrten in der Regel auch kurzfristig vor Ort gebucht werden können, sollten Kajaktouren mit etwas Vorlauf reserviert werden.

Der Fjordland National Park gehört zu den regenreichsten Gebieten der Erde. Bei blauem Himmel wirkt die Landschaft natürlich ganz anders als bei Bewölkung oder gar bei Dauerregen. Wenn schlechtes Wetter Berge und Fjord in graues, kontrastloses Einerlei taucht, verlieren auch die schönsten Fjorde und Täler ihren Reiz. Allerdings sollen dann die unzähligen Wasserfälle, die über die Felswände in die trogartigen Täler und Fjorde stürzen, besonders eindrucksvoll sein. Besonders Radfahrer müssen für sich entscheiden, welches Wetter die Mühe einer Tour über die schönste Sackgasse der Welt ihnen wert ist.

Eine Radtour von Te Anau zum Milford Sound stellt in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung dar. Wir gehen im folgenden auf die zahlreichen Hürden dieser anstrengenden und nicht ungefährlichen Strecke ein. Als Alternativen zur Radtour bieten sich Busreisen an, die ab Te Anau und sogar ab Queenstown starten. Wer mehrere Tage in dem Gebiet verbringen und Wanderungen unternehmen möchte, was unbedingt empfehlenswert ist, sollte für einige Tage einen Mietwagen nehmen. Denn nur so ist man hinsichtlich Verpflegung und Anfahrt zu den Wanderungen flexibel, mit dem Rad ist das nur sehr schwer zu schaffen.

Entfernung und Topografie

118 Kilometer lang ist die Milford Sound Road (State Highway 94) von Te Anau zum Milford Sound.

Auf den ersten 84 Kilometern bis zu "The Divide" sind die Steigungen eher moderat, die Straße steigt auf der langen Distanz um nur 360 Höhenmeter an. Aber dann geht es so richtig los, auf nur drei Kilometern nach der Divide verlieren wir wieder 200 Höhenmeter mit einem Gefälle von bis zu 9% - eine tolle Abfahrt, aber wir müssen ja auch wieder auf dem gleichen Weg zurück. Die Straße erreicht den Hollyford River und den Abzweig ins Hollyford Valley. Nun beginnt der Anstieg zum Homer Tunnel: 560 Höhenmeter auf nur 12 Kilometern. Anfangs beträgt die Steigung noch moderate 4 bis 5% und steigert sich während der letzten zwei Kilometer vor dem Tunneleingang auf 9%.

Bereits im Tunnel beginnt die 18 Kilometer lange Abfahrt zum Milford Sound. Anfangs geht es mit 10% abwärts und reduziert sich allmählich auf 9 und 8%. Von den 18 Kilometern zwischen Tunnel und Sound weist die Hälfte der Strecke ein Gefälle zwischen 10 und 8% auf!

Nun muss ja die selbe Strecke wieder zurück gekurbelt werden. Und die Rückfahrt ist noch wesentlich anstrengender als der Hinweg. Die letzten neun Kilometer mit kontinuierlich 8 bis 10% hinauf zum Homer Tunnel fordern mit Gepäck schon enorm. Hoffentlich regnet es während der Kraxelei nicht.

Verkehr

Die Milford Sound Road wird während des Sommers sehr stark von Touristen befahren. Neben PKWs und Wohnmobilen sind sehr viele Reisebusse unterwegs. Am Vormittag bewegt sich die Autowelle in Richtung Milford und am Nachmittag kommt sie wieder zurück, denn es übernachtet kaum jemand am Fjord. Für die Touristenmassen gibt es am Sound auch keine Infrastruktur. Man ist gut beraten, mit dem Rad antizyklisch zum Autostrom zu fahren.

Die Straße hat meistens keinen oder nur einen sehr schmalen Seitenstreifen. Nach dem Abzweig zum Hollyford Valley wird der bis dahin recht breite Highway ziemlich schmal, da das Tal dann auch sehr eng und steil ist. Zahlreiche enge Kurven machen die Fahrt besondners heikel, da auch selbst an diesen Stellen gerne überholt wird. Angenehm ist das Radeln bei dem starken und schnell fahrenden Verkehr nicht. Der dichte Verkehr mit den vielen großen Bussen und den unerfahrenen Wohnmobilkapitänen kann sogar für Radler richtig gefährlich sein.

Übernachten und Einkaufen

Auf der gesamten Strecke gibt es (fast) keine Einkaufsmöglichkeiten.. Wer die Strecke mit dem Rad fährt, muss sich also in Te Anau mit einem entsprechend großen Vorrat an Lebensmitteln eindecken. Nur in dem winzigen Shop in Gunn's Camp können Nudeln und einige Konserven erworben werden. Allerdings liegt das Camp acht Kilometer abseits des Highways zum Milford Sound an der Lower Hollyford Road im Hollyford Valley. 200 Höhenmeter über eine ungeteerte Piste kostet dieser Abstecher.

Ein Blick in unsere Übersichtskarte vermittelt den Eindruck, dass es jede Menge Campingplätze entlang der Strecke gibt. Es bieten jedoch nur zwei kommerzielle Plätze den Komfort warmer Duschen und Aufenthaltsmöglichkeiten. Das sind Knobs Flat, der schon nach 63 Kilometern erreicht wird und Gunn's Camp im Hollyford Valley.

Alle anderen Plätze sind einfache DoC-Plätze mit Trockentoiletten und Wasser aus dem Bach. Die meisten DoC-Plätze bieten weniger als 10 Stellplätze und können während der Saison bereits frühzeitig mit Wohnmobilen belegt sein. Am sinnvollsten ist eine Übernachtung im Cascade Creek Camp, das nach 76 Kilometern erreicht wird. Das riesige Gelände ist ziemlich offen, was bei Wind die Sandflies fernhält. Da viele diesen letzten DoC-Platz vor dem Milford Sound auch als Basislager für Ausflüge nutzen, wird es auch hier schnell voll. Aber für Radler dürfte sich immer ein kleines Plätzchen finden.

Die DoC-Plätze sind alle unbewacht, der Übernachtungspreis muss abgezählt in einer Box hinterlegt werden. Also genügend Kleingeld in Te Anau wechseln! Es wird übrigens sehr konsequent kontrolliert, ob bezahlt wurde!

Milford Sound
Bild: Mitre Peak am Milford Sound
Blick vom Key Summit auf Lake Marian mit dem Mount Crosscut im Hintergrund, rechts Mount Lyttle
Bild: Blick vom Key Summit auf Lake Marian mit dem Mount Crosscut im Hintergrund, rechts Mount Lyttle
Bustouristen am Milford Sound Highway
Bild: Bustouristen am Milford Sound Highway
Touristeninvasion an den Mirror Lakes
Bild: Touristeninvasion an den Mirror Lakes
Unser gefrorenes Zelt auf dem Cascade Creek Campsite (Anfang Februar)
Bild: Unser gefrorenes Zelt auf dem Cascade Creek Campsite (Anfang Februar)

Übersichtstabelle zur Radtour

Merkmal des Radweges Beschreibung
Name des Radweges und Radwegezeichen

-

Länder Neuseeland
Start, Ende Te Anau - Te Anau über Milford Sound
Länge des Radweges 336 Kilometer hin & zurück
Höhenmeter steigend 1284 Meter Hinweg, 2815 Meter hin & zurück
Höhenmeter fallend 1531 Meter Hinweg, 2815 Meter hin & zurück
Durchschnittliche Steigung 2,6 % Hinweg, 3,2 % hin & zurück
Durchschnittliches Gefälle 4,0 % Hinweg, 3,2 % hin & zurück
Wegeführung und Verkehr stark befahrener, stellenweise sehr schmaler und unübersichtlicher Highway ohne Seitenstreifen
Wegebelag geteert
Campingplätze Abstand bis zu 80 Kilometer

Ein großes Problem für Radler mit Zelt ist der fehlende Campingplatz am Milford Sound. Zur Milford Sound Lodge gehört nur ein Stellplatz für Wohnmobile. Auf der Webseite der Lodge wird extra darauf hingewiesen, dass Zelten nicht gestattet ist. Es bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, in der Lodge ein Zimmer zu nehmen, es gibt auch Mehrbettzimmer für Backpacker. Wegen der großen Nachfrage muss unbedingt vorgebucht werden.

Wild zelten ist im Nationalpark verboten. Die wenigen Stellen, die sich für Camper zum Übernachten eignen würden, werden regelmäßig von Rangern kontrolliert. Aber auch für Radler ist es in dem offenen Gelände kaum möglich, sich irgendwo für die Nacht zu verdrücken. Sehr schwierig dürfte das (verbotene) Wildzelten auch am Milford Sound sein. Aus Buschwerk und Wald wird man sofort von den Unmengen Sandflies vertrieben (siehe nächstes Kapitel).

Es dürfte auf Grund der Topografie kaum zu schaffen sein, vom Cascade Creek Camp oder Gunn's Camp einen Tagesausflug mit dem Rad zum Milford Sound zu unternehmen. An einer Übernachtung in der Milford Sound Lodge führt also kaum ein Weg vorbei. Nur sehr hartgesottene werden sich ein Plätzchen im Busch bei den Sandflies suchen.

Sandflies

Die gesamte Westküste der Südinsel wird von den beißenden Sandflies heimgesucht. Der Fjordland National Park macht da keine Ausnahme. Auf dem Rad bemerkt man die Viecher nicht, auch ein Wanderer ist für sie zu schnell. Aber sobald man einige Minuten stehen bleibt, kommen die Blutsauger in Scharen.

Sehr unangenehm sind die Sandflies beim Zelten. Wir empfehlen, möglichst in offenem Gelände zu zelten. Dort hat der Wind eine Chance sie zu vertreiben. Auf den kleinen DoC-Campsites entlang der Milford Sound Road liegen die Stellplätze in der Regel zwischen Bäumen und Büschen, ein Grund diese Plätze zu meiden.

Im gesamten Hollyford Valley treten die Sandflies in enormen Mengen auf. Eine kurze Pause reicht schon, um Schwärme anzulocken. Sehr unangenehm sind die Sandflies auch in Gunn's Camp. Wer Ruhe vor ihnen haben möchte, sollte sich in Gunn's Camp ein Zimmer mieten.

Auch am Milford Sound sind die Sandflies eine wahre Plage, ein Grund weswegen wir es nicht empfehlen können, sich zum Übernachten dort irgendwo in die Büsche zu schlagen.

Natürlich ist das Vorkommen der Sandflies immer vom Wetter abhängig. Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Wind beeinflussen ihr Verhalten. Wer mit dem Wetter Glück hat, wird vielleicht einigermaßen in Ruhe gelassen. So konnten wir an einem Tag den Sonnenuntergang beim Abendessen an den Picknicktischen am Fjordufer, von denen man eine wahren Bilderbuchblick hat, in aller Ruhe genießen- Am nächsten Tag wurden wir von den Sandflies so attaktiert, dass wir nur während des Laufens im Eiltempo essen konnten.

Ausflüge entlang der Milford Sound Road

Entlang der Milford Sound Road gibt es zahlreiche Möglichkeiten für halbtägige Wanderungen. Wir haben auf einer separaten Seite einige Ausflüge zusammengestellt. Wegen der ungünstigen Lage der Zeltplätze und der resultierenden langen Anfahrten mit vielen Höhenmetern sind für Radler Wanderausflüge eher schwierig zu realisieren.

Vom Cascade Creek Campsite ist eine lohnende Wanderung von der nur acht Kilometer entfernten Divide zum Key Summit einfach realisierbar. Auch der Track zum Lake Marian lässt sich vom Cascade Creek DoC-Platz erreichen oder alternativ von Gunn's Camp.

Tracks für GPS-Navigation

Für alle von uns beschriebenen Radtouren durch Neuseeland mit einer Gesamtlänge von über 7000 Kilometern bieten wir Tracks mit der exakten Route für GPS-fähige Geräte im GPX-Format an. Darüber hinaus haben wir eine Waypoint-Tabelle mit allen Unterkünften, Geschäften und i-Sites aus den Streckenübersichten erstellt.

In der Seite mit der Tourenübersicht Neuseeland kannst du die Tracks zum sofortigen Download bezahlen.

Weitere Informationen zur Radtour

Auf den folgenden Seiten gibt es weitere Informationen zur Radtour:

  • Interaktive Karte mit Höhenprofil zur Route. Die Karte kann vergrößert werden und zwischen verschiedenen Kartenanbietern gewechselt werden. Durch Umschalten auf Google Streetview kann man Wege und Landschaft als Bild ansehen.
  • Streckenübersicht mit Übernachtungsmöglichkeiten und weiteren wichtigen Punkten entlang der Route.
  • Detailbeschreibung der Route mit dem Verlauf der Route, vielen Bildern, Karten, Höhenprofilen, Übernachtungsmöglichkeiten und vielem Mehr.

Alle Seiten sind direkt über die Seitenübersicht am Beginn jeder Seite erreichbar.

Höhenprofil zur Radtour über die Südinsel Neuseelands von Te Anau zum Milford Sound
Bild: Höhenprofil zur Radtour über die Südinsel Neuseelands von Te Anau zum Milford Sound (—»)